Rheintour Blog

Mein erster Besuch bei “Maria Ruh” in Urbar am Oberen Mittelrheintal

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Seit gut 4 Wochen hat das Ausflugslokal “Maria Ruh” in Urbar geöffnet. Mit “Ausflugslokal” assoziiere ich eigenlich ein Lokal mit Jägerschnitzel, Hausmacher Wurstplatte und Pommes Frittes auf der Speisekarte, also Gerichte, die man gut gekühlt lange lagern kann, die also auch tagelangen Landregen mit wenig Besuchern ohne wirtschaftlichen Schaden überstehen können. Als ich von der Landstraße in Urbar dem Schild “Loreleyblick” folgte, durchfuhr ich zunächst eine Einfamilienhaus-Siedlung, sehr gepflegt mit schön angelegten Gärten. Hier ist morgen auch nach 7 Uhr die Welt noch in Ordnung, war mein Eindruck. Links ein Tennisplatz, rechts Felder, noch ein paar hundert Meter und ich war in einer anderen Welt – und das will schon was heißen in unserem schönen Mittelrheintal. Parkplätze gibt es nicht in Hülle und Fülle, dachte ich bei mir. Wie ich später erfuhr, kommen sehr viele Besucher zu Fuß, da “Maria Ruh” direkt am “RheinBurgenWeg Oberes Mittelrheintal” liegt.  In den ca. 1 1/2 Stunden, die ich dort verbrachte, habe ich viele Wanderer gesehen. Familien, Freunde, mit und ohne Hund, aber auch Biker, die dort rasten anstatt zu rasen. Ein recht großes, sehr gut gepflegtes Gelände erwartete mich. Links der gastronomische Betrieb, davor der rustikale Biergarten. Von beidem hat man einen ungetrübten Blick zur Loreley, den Felsen und die Häuser habe ich gesehen, die Loreley, also die hübsche Blonde, die die Schifffahrer irritiert, blieb mir allerdings verborgen. Vielleicht ist sie mittlerweile gewerkschaftlich organisiert und hat sonntags frei? 🙂 Aber auch ohne die Loreley ist der Blick in die Landschaft und ins Rheintal atemberaubend. Ich habe mir erst die Aussichtspunkte angesehen, die rechts des Lokals liegen. Wunderschön hergerichtet und nicht auf Renditeoptimierung ausgelegt, denn es gibt einige Tische und vor allem viel Wiesenfläche, die  zum Picknick machen einlädt – so, wie früher, dachte ich mir. Decke, Salat, Würstchen, Frikadellen und Kekse schleppte die Familie vom Ausgangspunkt kilometerweit bis zum Rastplatz, um dort zu spielen und zu plaudern. Heute geht das in der Form nur noch, wenn der Rastplatz in einem Funkloch liegt und die Akkus der Gameboys leer sind. Das Besondere an dem Gelände ist nicht nur der traumhafte Blick in die Ferne, sondern man muss, im Gegensatz zu meinen Jugenderinnerungen, keine Getränke in größeren Mengen mitschleppen, denn dort gibt es eine Trinkwasserquelle! Ja, da habe ich wirklich gestaunt, denn ich kenne bisher nur Quellwasser, an denen Mahnschilder mit “KEIN TRINKASSER” angebracht sind. Ich kann mir schwer vorstellen, dass aus dem Wasserhahn in Maria Ruh gechlortes Wasser kommt. Es gibt es also doch noch: Quellwasser, das den Wasserverordnungsgesetzen des Landes, des Bundes und der EU entspricht. Das steht für mich nun (fast) auf dem gleichen Niveau wie Burg Rheinfels, Pfalzgrafenstein, Bacharach und all die anderen Sehenswürdigkeiten in unserem Oberen Mittelrheintal. Die Quelle gehört für mich nun auch zum UNESCO Weltkulturerbe – möge das immer so sein.
Von meinem Rundgang findet ihr einige Fotos im Anhang.
Vor dem Lokal wieder angekommen, habe ich es erst von außen begutachtet und festgestellt, dass es von der Familie Ripp, den Hoteliers vom Hotel Schloss Rheinfels, bewirtschaftet wird. Da ich dort häufiger einkehre, dachte ich mir schon, dass ein Qualitätsstandart gesetzt ist, der sicherlich keine Jägerschnitzel etc. zulässt – selbstverständlich ohne den Charakter eines Ausflugslokals nachhaltig zu beschädigen.
Im Biergarten findet man sehr rusikalte Massivholz-Bänke und Tische und – es gibt Gegrilltes! Herrlich, finde ich zumindest. Selbstbedienung ist angesagt, was für mich auch ein Stück Atmosphäre für eine solche Art Restauration hat.
Ich setzte mich aber auf die Terrasse des Lokals. Der herrliche Blick verschlägt einem die Sprache. Lange Gespräche sind wohl dort nicht möglich. Solche mit Streitpotential auch nicht, zu deeskalierend wirkt der Blick in die Landschaft und die Ruhe, die Schiffe auf dem Fluß, in den verschiedensten Formen, tragen ihr Übriges dazu bei. Maria Ruh, also die Terrasse, eignet sich stattdessen bestimmt für Heiratsanträge, “Nein”-sagen ist fast unmöglich, denke ich mir.
Eine sehr freundliche Bedienung kommt, bringt mir die Speisekarte und ich komme mit ihr kurz ins Gespräch. Sie erzählt mir, dass die Liegenschaft länger wohl leerstand, dass sich einige Wirte versucht hätten, aber alle gescheitert sein. Nun hat die Familie Ripp “Maria Ruh” übernommen, Zeit, Geld und viel Herzblut investiert. Man sieht es nicht nur, man kann es spüren. Die Terrasse wurde angebaut, das Gebäude kernsaniert, liebevoll, wie gesagt. Der Chef selber war auch fleißig am Mitarbeiten, als ich dort saß. Das hat mir schon ein wenig imponiert, denn die Arbeiten, die er verrichtete, waren nicht die eines Chefs würdig – zumindest in vielen anderen Häusern, er räumte die Tische ab, guckte, dass der Paravant auf der Terrasse nicht umfiel und und und.
So langsam füllte sich die Terrasse, es war gegen 11.30h. Ich saß an einem 4er-Tisch alleine, als  ich ein älteres (Ehe-) Paar bemerkte, die noch einen Platz auf der Veranda suchten, leider vergeblich. Ich bot ihnen an, sich an meinen Tisch zu setzen, was sie dankend ablehnten. Aber sie erzählten wie das Gelände vor der Übernahme aussah: zugewuchert, so dass man zur Loreley kaum gucken konnte, das Gebäude war nicht ansprechend und der Weg nach Urbar war deshalb auch nicht lohnenswert. Mit einem gewissen Respekt in der Stimme erzählte mir der Herr, was ” die do geschaffe habe –  Hut ab, mir komme öfterschs”. Vox Popili ist offen und ehrlich, denke ich mir und stimme dem Herrn leise zu.
Dann kommt mein Essen. Ich habe mir  “Der letzte Bissen  – Brauchtum zu Ehren des Tieres”. Eine sehr schmackhafte Brotzeit – siehe Foto in der Anlage. Eigentlich wollte ich etwas weniger Essen, muss ich doch 3 Kilo Übergepäck abwerfen. Aber es schmeckt sehr gut, ich esse brav auf, brauchen wir doch schönes Wetter für das kommende lange Wochenende, die Magic Bike und die vielen anderen Feste. Ein Blick auf mein Bäuchlein und das bestellte Essen schafft mir Absolution – “ich tue es ja auch für die Anderen”, denke  ich und esse schnell auf, bevor sich mein Gewissen melden kann, das zum Glück von dem Blick in die Weite abgelenkt zu sein scheint.
Nach 1 1/2 Stunden Entschleunigung bei Brotzeit, Wasser und Milchkaffee verlasse ich das Lokal und stelle fest, dass der Biergarten richtig gut besucht ist. Freundliche Menschen warten an der Ausgabe auf Bestelltes, zwei junge Hunde spielen miteinander, der Duft von Grillfleisch  zieht mir in die Nase – “Nein, Du bist satt”, mahnt mich mein Gewissen. Kaum habe ich die Terrasse verlassen, bestimmt es schon wieder mein Sein. Ich beschließe, öfter dort einzukehren. Seit heute weiß ich, wie schön ein Gewissen  “Gewissenlos” ist, wenn man sich einfach fallen lässt und Körpergewicht Körpergewicht sein lässt und sein Gewicht auf Lebensfreude legt, zumindest für einen Moment.
Meiner Lebenspartnerin kann ich keinen Heiratsantrag mehr machen – schade, denke ich mir, das wäre ein tolles Plätzchen. Aber ich könnte in Maria Ruh, so habe ich es ja in einigen Seminaren gelernt, ein Feedback-Gespräch machen. Allerdings müssen wir vorher klären, wer welche Rolle hat – wer ist Chef und wer ist Mitarbeiter. Mhm. Ich setze mich ins Auto, höre “Take it Easy” und träume weiter………….
hier der Link zum RheinBurgenWeg:

 

http://alpregio.outdooractive.com/ar-romantischerrhein/de/alpregio.jsp#i=2807794&tab=TourTab 

 

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Maria Ruh

 

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 Die Trinkwasserquelle

 

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Blick von der Terrasse
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 Die Loreley von “Drüben” gesehen
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 Der Biergarten
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 Der Biergarten
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Der Biergarten

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Die Blumenwiese

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Maria Ruh-Restaurant von der Wiese aus gesehen

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