Rheintour Blog

Meine Tage in der Abtei St. Hildegard in Eibingen bei Rüdesheim. Teil 1

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Vor einigen Monaten habe ich mir einen langgehegten Wunsch erfüllt: ich habe mich für 2 Nächte in einem Kloster einquartiert. Mein Beruf ist sehr stressig, aber auch sehr abwechslungsreich und hat mir von Beginn an sehr viel Spaß macht, auch oder obwohl ich sehr viel Zeit aufwenden muss, was natürlich zu Lasten der Freizeit geht. Mit zunehmenden Alter suche ich Möglichkeiten, um die Hektik so zu verarbeiten, dass  mich die häufige Unruhe im Büro nicht dauernd beschäftigt. Nachhaltig geholfen haben mir weder Spaziergänge, noch Pilates oder andere, von guten Freunden empfohlene Entspannungsübungen. Ich entschloss mich deshalb für 3 Tage in ein Kloster zu gehen, sozusagen einen “Exerzitien-Schnupperkurs” zu machen.
Ich suchte nach einem Kloster, das mir von außen schon sympathisch war, möglichst in der Nähe meine Wohnortes liegt und in dem ich vor allem eins sein konnte – alleine mit mir selber, um so meine Denke, mir Vieles zu Herzen zu nehmen, vielleicht umprogrammieren zu lernen.  Nach einigen Recherchen im Internet, entschloss ich mich zur Kontaktaufnahme mit der Abtei St. Hildegard in Eibingen, oberhalb von Rüdesheim gelegen. Ich habe die Abtei des öfteren besucht, bietet sie doch einen wunderschönen Panoramablick in das Rheintal und darüber hinaus. Man sieht Frankfurt im Osten, weit hinten den Donnersberg im Süden und rheinabwärts bis, ja bis wohin eigentlich? Mhm, verdammt weit kann ich nur sagen, aber dazu später Genaueres.
Ich nahm also Kontakt zu der Abtei auf und schrieb keine klassische Anfrage, also so in etwa : “Haben Sie vom .. bis… ein Zimmer frei, wenn ja, was kostet das denn?”. Sondern ich entschloss mich eine Anfrage zu schreiben, in der ich ein paar Sätze zu mir und meiner Situation sagte, denn ich wollte die Benediktinerinnen, die in der Abtei leben, nicht kompromittieren, da ich zwar sehr streng nach den christlichen Regeln versuche zu leben, aber nicht katholisch bin. Zudem bin ich geschieden und in zweiter Ehe verheiratet. Diese Daten, angereichert mit meinem Alter und meiner beruflichen Tätigkeit und natürlich dem Datum der geplanten Reise, schickte ich per Mail an die Abtei, in der Hoffnung, dass man meinem Gesuch entspricht.
Nach zwei Tagen erhielt ich eine Antwort, die sehr freundlich abgefasst war, die sogar  auf meine “Bewerbung” in einem Absatz einging. “So sensibel gehen die Schwestern also mit Menschen um, die nicht streng nach ihrem Kodex leben”, dachte ich bei mir. Man fühlt sich ein wenig ertappt,  trotzdem gewertschätzt und schon aufgenommen in die klösterliche Gemeinschaft, ohne automatisch vereinahmt zu werden.
Hier der angesprochene Absatz aus der Antwort:
“Unser Gästehaus steht für all die Menschen offen, die sich unserem klösterlichen Lebensrhythmus für ein paar Tage anschließen möchten, Stille und innere Einkehr suchen. In der Regel haben wir Einzelgäste, die an unseren Gebetszeiten vom Kirchenschiff aus teilnehmen, einfach in Stille für Sich beten, lesen und Spaziergänge machen. Näheres können Sie der Gästeinformation im Anhang entnehmen.”
Ich bestätigte natürlich umgehend den Reisezeitraum und überwies die Übernachtungskosten in voller Höhe, um auch vielleicht den Schwestern zu zeigen, dass ich es ernst meine und aber vielleicht auch, mich davon abzuhalten, es mir doch noch anders zu überlegen. Nötig wäre das allerdings nicht gewesen-weder die vollen Übernachtungskosten zu bezahlen, noch zu glauben, ich würde noch abspringen.
In der Zeit vor dem Kloster-Wochenende, überlegte ich oft, was mich wohl erwarten wird. Allein die Gedanken an das Unbekannte, ließen mich für einen Moment innehalten, sorgten für einen Moment der Ruhe, gleichzeitig überkam mich ein Glücksgefühl, gepaart mit etwas Abenteuer-Neugier. Die Gedanken an das, was mich wohl erwarten wird, wurden häufiger und intensiver, parallel dazu stieg das Gefühl des Wohlseins, ausgelöst von der Hoffnung auf Ruhe und Besinnlichkeit. Den oben zitierten Absatz aus der Antwortmail habe ich häufig gelesen, wenn es mal wieder sehr unruhig im Büro war, der Tag mit Terminen vollgestopft und mindestens 8 der oft 12 Stunden fremdbestimmt war.
“Unser Gästehaus steht für all die Menschen offen, die sich unserem klösterlichen Lebensrhythmus für ein paar Tage anschließen möchten, Stille und innere Einkehr suchen.” Das war der Satz, den ich mir oft durchgelesen habe, wenn es mir mal wieder zu viel wurde, wenn ich mal wieder zu oft funktionieren musste. “Ja, ich suche Stille und Einkehr”, das sagte ich mir sehr oft in der Zeit vor meinem “Klosterantritt”. Alleine das leise in mich hineinsagen half mir schon, mich ruhiger zu stellen und die Vorfreude zu steigern.
Endlich, endlich war es soweit. Bis 16h Büro, dann einfach abhauen, abhauen in den Kurzurlaub von allem, was mich stresst, was ich tagtäglich leisten muss, ob es mir passt oder nicht. Ich will einfach Ruhe, das war mein erklärtes Ziel und ich hoffte, es in St. Hildegard zu finden, wobei die Hoffnung langsam begann der Gewissheit Platz zu machen, dass ich es dort finden werde, obwohl ich noch gar nicht den geweihten Boden betreten hatte.
Also, 16.00h schnell zum Auto, das Wetter war schön, Verdeck auf und die Musik an, bei der ich gerne Träume, von Ruhe, von Erlebten, von meiner Jugend und Lieder mit denen ich ausschließlich schöne Stunden verband. “Let Your Love Flow” ein Titel, der zu meinen 3 Tagen passt, weg von “Take it to the Limit”, hinauf zum Hügel von “Solsbury Hill”.
16.50h erreichte ich den großen Parkplatz unterhalb de Klosters. Ich stellte mein Auto ab, tauschte meine Büroschuhe gegen Snikers und legte mein Sakko in den Kofferraum.
Den Koffer zog ich hinter mir her in Richtung Klostereingang. Meine Blicke streiften über die wunderschöne Landschaft, die Vögel trällerten fröhlich und ich, ja ich ging nicht im Bürotempo, ich ging langsam, die Umgebung und das Zwitschern der Vögel genießend, die Weg zwischen Mauer und Kloster entlang. Manche Besucher beäugten mich leicht irritiert, sich wohl fragend, was der Mann mit dem Koffer in dem von Benediktinerinnen geführten Kloster will.
Endlich! Endlich stand ich vor der Messingklingel. Ich guckte auf die Uhr, es war 16.55h. Stand auf der Bestätigung nicht, man möge sich bis 17.00h im Kloster einfinden? Einfinden? Nicht einchecken. Klingt nicht nur anders, ist es auch. “Einfinden” klingt friedvoller, willkommener als “einchecken”, ein Begriff, den ich mit Dienstreisen und engen Zeitplänen verbinde. Nun, ich mag mich einfinden, ja, sehr gerne sogar. So drückte ich voller Spannung  auf den Klingelknopf und blickte erwartungsvoll auf das, was mich hinter der Tür erwartet, wer mir wohl öffnet, wie sah die Schwester aus, wie war sie gekleidet, wie war wohl ihre Stimme, wie wird denn die Begrüßung sein?
Die Tür öffnete sich….
Wie die ersten Stunden und der Abend verlief werde ich in dem nächsten Blog erzählen. Ich fand es spannend.

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