Rheintour Blog

Windenergie – ein windiges Unterfangen

In letzter Zeit hat sich die Diskussion über den Aufbau von zusätzlichen Windrädern im Mittelrheintal  verstärkt. Bürgermeister wollen auf den Höhen entlang des Rheins Windräder bauen lassen und erhoffen sich dadurch Mehreinnahmen für ihre Städte, um so die maroden öffentlichen Kassen zu sanieren.

Die UNESCO hat bereits damit gedroht, dem Oberen Mittelrheintal den Status “Weltkulturerbe” zu entziehen, sollten weitere Windräder zwischen den über 1000 Jahre alten Burgen das Landschaftsbild nachhaltig verändern. Die Hessische Landesregierung hat ein Gesetz erlassen, wonach weitere Windräder grundsätzlich möglich seien, was manche Bürgermeister als Legitimation ansehen, auch gegen den Willen von Bürgerinitiativen, Planungen in Auftrag zu geben, wo und wie viele Windräder zu bauen möglich sei. Dass auch die GRÜNEN im Hessischen Landtag pro Windräder stimmen, kann nachdenklich stimmen, steht doch diese Partei eigentlich für Ökologie und nicht für Ökonomie.

Unbestritten sind die großen Schäden, die sowohl die Installation der Windräder als auch deren Nutzung verursachen.

Ein Windrad benötigt eine Fläche von 2 ha, hinzu kommen noch die großen Kollateralschäden, die durch den Bau von Anfahrtswegen für Installation und Wartung der Windräder entstehen.

Auch die entstehenden Lärmemissionen beim Betrieb der Räder sind sowohl für den Menschen als auch für die Tiere fast unerträglich, wie ich von Anwohnern gehört habe, die in unmittelbarer Nähe von Windparks wohnen. Waldtiere sind durch das Geräusch nachhaltig verunsichert, die entstehenden Schlagschatten irritieren das scheue Wild und versetzt es in Panik, Wanderer und Bewohner empfinden diese latent entstehenden Schatten ebenfalls als fast unerträglich. Die nachts permanent blinkenden Positionslichter sind eine weitere Belästigung.  “Öko-Strom” steht ja ursprünglich für Ökologie und nicht für Ökonomie, denn die wirtschaftlichen Interessen stehen in der Diskussion eindeutig im Vordergrund, da die Betreiber hohe Pachtabgaben an die Gemeinden und Städte versprechen, Lorch soll für vier Windräder 300.000.-€ p.a. erhalten, so Bürgermeister Helbig (CDU).

Die Windräder sind auch für viele Vögel, Fledermäuse etc. todbringend, da sie diese nicht als Hindernis wahrnehmen, dagegen fliegen und sich tödlich verletzen. Über die Effizienz der Windräder, zumindest im Mittelrheintal, kann auch gestritten werden. Wer auf der A 61 zwischen Bingen und Koblenz fährt, bekommt einen Eindruck, wie sich Windparks in die Landschaft “integrieren”. Auch stehen die Räder manchmal still, weil der Wind nicht ausreicht, um die Generatoren zur Stromerzeugung anzutreiben.  Man muss ebenfalls in Betracht ziehen, welche Auswirkungen der Eisschlag hat, wenn sich durch nächtlichen Frost Eis auf den Rotoren gebildet hat, der tagsüber antaut und sich durch die Zentrifugalkräfte der sich drehenden Räder löst und wie Geschosse auf den Boden fliegen. Trifft es Mensch oder Tier können schwere Verletzungen entstehen.

Die Für und Wider-Diskussion darf nicht aus rein ökonomischer Sicht geführt werden, die Natur und deren Erhaltung müssen im Vordergrund stehen. Genauso wie der Wille des Wählers und nicht die Wünsche der Energiewirtschaft. Tourismus ist ein weit wichtiger Wirtschaftsfaktor für das Mittelrheintal, als die Erzeugung von Energie durch Windräder. Die Konsolidierung der Öffentlichen Haushalte ist sicherlich auch durch andere Mittel möglich – auch dazu kann und sollte man den Bürger stärker einbinden, schließlich ist er es, der die Politiker wählt und deshalb ein Anrecht hat auch während der Legislaturperiode gehört zu werden und mitzuentscheiden. Der Einsatz von “Ehrenamtlichen” kann helfen, Dinge in der Stadt/Gemeinde umzusetzen, für die vordergründig kein Etat zur Verfügung steht. Einen Versuch ist es allemal wert.

Ist erst einmal die Schneise für die Anfahrtswege der LKWs durch den Wald geschlagen, dauert es 250 Jahre (eine Waldgeneration), bis die Landschaft renaturiert ist, die aus Beton gegossenen Sockel der Windräder sind für die Ewigkeit gebaut und erinnern immer an das Geschehene. Gemeindehaushalte wieder in den Griff zu bekommen bedarf Professionalität und Kreativität der Entscheider unter Einbeziehung der Bürger und Wähler!

 

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Nachfolgend ein paar Links aus Fernsehen und Presse, um sich ein umfangreicheres Bild zu machen:

Zusammenfassung ab Seite 105 ist sehr interessant:

http://www.welterbe-oberes-mittelrheintal.de/fileadmin/dokumente/PDF/Sichtachsenstudie/Sichtachsenstudie_Welterbe-OM_Dez-2013.pdf

http://www.swr.de/landesschau-aktuell/rp/koblenz/lierschied-klagt-gegen-das-land-um-windraeder-aufstellen-zu-duerfen/-/id=1642/did=16335212/nid=1642/10zwmby/index.html

http://www.swr.de/landesschau-aktuell/rp/windraeder-im-oberen-mittelrheintal-unesco-droht-mit-verlust-des-welterbestatus/-/id=1682/did=15959312/nid=1682/aj3hgl/index.html

http://www.rhein-zeitung.de/region_artikel,-Sichtachsenstudie-Mittelrhein-zwischen-Windkraft-und-Welterbe-_arid,1070564.html

Nachtrag:

http://www.n-tv.de/wirtschaft/Union-will-Windenergie-Ausbau-bremsen-article17461416.htmll

 

 

 

 

9 Kommentare zu “Windenergie – ein windiges Unterfangen

  1. Hubertus Jacoby

    1. Ein Windrat wird nie wirtschaftlich sein: Die Einahmen aus dem erzeugten Strom decken bei weitem nicht die Baukosten.
    2. Der überwiegenden Mehrzahl der Bürgermeister geht es nicht um
    die Erzeugung von Ökostrom sondern nur um die Einnahmen, da spielt der Wald als Lebensgrundlage und die Natur keine Rolle mehr.
    Reine Geldgier!!
    3. Wir Konsumenten zahlen diesen Blödsinn in Form von ständig steigenden Stromkosten und Steuern in Form von staatlichen Subventionen.
    Verdienen tun hier nur die Hersteller und Betreiber.
    4. Man sollte sich eher Gedanken machen, wie Strom zu sparen ist und da gibt es bestimmt etliche Möglichkeiten.

  2. Patrick Himmighofen

    Schattenwurf: es gibt Genehmigungsauflagen die verhinder das Anwohner durch Schattenwurf belästigt werden. Die Anlagen haben Sensoren und werden automatisch gestoppt.

    Schall: auch hier müssen Grenzwerte eingehalten werden damit Anwohner nicht leiden müssen.

    Fledermäuse/Vögel: hier gibt es Genehmigungsauflagen. Anlagen werden auch hier durch Sensoren gestoppt, sofern mit Fledermausflug zu rechnen ist. Es gibt Verfahren um auch Rotmilan, Kranich etc. zu schützen.

    Rückbau: Windkraftanlagen werden komplett zurückgebaut. Auch die Fundamente etc, es bleibt also nichts zurück. Die Rückbaukosten werden von den Betreibern getragen… was man von den konventionellen Kraftwerksbetreibern nicht behaupten kann (siehe Rückbaukosten bei Atomkraftwerken)

    Haben Sie schon die Reste und Ruinen der Bundeswehr, in den Lorcher Wäldern besichtigt ? Das ist hässlich !

    1. taletekk Autor des Beitrags

      Ich habe mit einigen Anwohnern gesprochen, darauf beruht mein Blog-Eintrag Den “Eisflug ” hat ein Freund von mir vor ca. 2 Wochen im Binger Wald persönlich erlebt. Und ob die Richtwerte eingehalten werden wage ich, aus eigener Erfahrung, zu bezweifeln. Gleiches gilt auch für den Vogeltod. Freunde aus dem Hunsrück bestätigen meine Haltung.

      Die Locher BW – “Reste” sind hässlich -stimmt. Aber vieles auf dem Standortübungsplatz ist bereits renaturiert-und das nach weniger als 20 Jahren!

  3. NB

    Ziemlich viele falsche Aussagen in dem Bloq. Das ist ein Informationsstand von vor 10 Jahren.
    Fakt ist, dass die Kommunen an der Rheinschiene vom Welterbestatus wenig profitieren, aber dringend Geld brauchen, um die Bewohner zu halten. Und Windenergie bringt die Wertschöpfung in die Region zurück.

    1. taletekk Autor des Beitrags

      Wenn die Touristen ausbleiben, ist der Schaden weit aus höher. Gibt es denn einen Masterplan, wie man die Wirtschaft im Mittelrheintal nachhaltig ankurbeln möchte? Ich kenne keinen, wäre aber sehr dankbar, wenn uns jemand von einem Konzept berichten würde.

    2. NB

      Kann Ihnen nur zustimmen. Hier wird jetzt eine Diskussion aufgemacht mit Atgumenten, die völlig falsch und seit mindestens 19 Jahren widerlegt sind. Die umfangreiche öffentliche Mediation vor 2 Jahren in Oedtrich-Winkel hat gezeigt, dass von den Gegnern nur heiße Luft kommt.
      Lorch zeigt doch, dass die Kommunen das Geld dringend brauchen, abgesehen von der Wertschöpfung, die in der Region bleibt. Oder soll die Gewerbesteuer um diesen Betrag erhöht werden?

    3. Michael Günther

      Die Windenergie in Maßen ist in gewissen Gebieten ja noch vertretbar. Im Hunsrück aber hat man jegliches Maß überschritten und die Verschandelung ist bei Tag und Nacht grenzenlos.Oftmals stehen hunderte Windräder tagelang dumm herum ohne sich nur einmal zu drehen.Für den Tourismus ist es auch negativ behaftet, so sind auf der Höhe die Besucherzahlen um 10% rückläufig, einmal abgesehen von der Gayerlay.

  4. Sabine Bierfreund

    Diese Diskussion steht noch ganz am Anfang und ich vermisse die ehrliche Auseinandersetzung mit dem Rückbau und der “angeblichen” Brückentechnologie. Erschreckend ist die immer wieder von Laien herbeigezauberte “Wertschöpfung” in der Region. Windindustrieanlagen beuten Regionen aus. Weder ist in Lorch eine Wertschöpfung noch eine -kette möglich. Lorch macht sich aus Eigennutz zum Schädling für eine gänzlich aus dem Ruder gelaufene Entwicklung, die am Ende die eigenen Bürger zur Kasse bittet, weil diese über immer mehr Subventionsumlagen zur Kasse gebeten werden. Eine verständliche Ausarbeitung dazu findet man unter http://www.science-skeptical.de/energieerzeugung/die-energiewende-eine-kaskade-der-subventionen/0015192/.

    Wer den Überblick nicht hat, sollte nicht zum Rädchen im System werden.

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