Rheintour Blog

Die Rössler-Linie-eine Reederei mit über 200jähriger Tradition

 

 

Ich hatte ja schon im letzten Blogeintrag berichtet, dass ich im Rahmen des Neujahrkonzertes auf der “RheinStar” die Reederin der Rössler-Linie, Bianka Rössler, kennengelernt und mich mit ihr zu einem Gespräch verabredet habe. Dieses Treffen fand nun statt, hier das Interview, das wir in ihrem Büro in Assmannshausen geführt haben.

Die Rössler-Linie hat seit über 200 Jahren ihren Sitz in Assmannshausen und beschäftigt 9 Vollzeitkräfte, 1 Azubi, 1 Integrierten Arbeitsplatz, 5 feste Aushilfen und in Auslastungsspitzen noch eine große Anzahl von Mietkräften. In diesem Jahr planen sie das Team aber noch mit einem weiteren Azubi und einer weiteren Vollzeitstelle aufzustocken. Die Rössler-Flotte fährt, im Gegensatz zu der großen Flotte auf dem Rhein, die nach Malta ausgeflaggt wurde, noch unter Deutscher Flagge. Ein typisches Merkmal vieler mittelständischer Unternehmen im Oberen Mittelrheintal ist die enge Heimatverbundenheit zur Region und ihren Menschen, die über Renditeorientierung und Shareholder Value steht. was man u.a. an ihrem Engagement und unternehmerischer Kreativität erkennen kann.

Auf dem Foto, das Sie auf Ihrer Internetseite eingestellt haben, sind die drei Generationen  der “Rössler Linie” zu sehen. Seit wann befährt denn die Familie Rössler den Rhein?
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Bianka Rössler:
Wir sind bereits in der siebten Generation als Schiffer auf dem Rhein tätig. Die zweite Generation ist nachweislich als Fährmann zwischen Assmannshausen und dem gegenüberliegenden Ufer tätig gewesen. Hierüber gibt es schriftliche Aufzeichnungen aus dem Jahre 1829, woraus man schließen kann, dass die erste Generation, also der Gründer der Rössler-Linie schon Ende des 18. Jahrhunderts als Fährmann gearbeitet hat. Sie befuhren den Rhein allerdings mit kleinen Holzbooten, sogenannten “Nachen”, und transportierten nur Personen. Über 100 Jahre befuhren die Rösslers mit Ruderbooten den Rhein, bevor wir 1929 das erste Motorboot in Dienst stellten. Die “Rheingold” verfügte über einen Benzinmotor mit 35 PS und bot 86 Passagieren Platz. Mit Beginn des Wirtschaftswunders Mitte der 50iger Jahre kamen vermehrt Urlauber ins Obere Mittelrheintal  und wir investierten in die “St. Georg”, ein Motorschiff, in dem 106 Personen Platz hatten. So entwickelte sich langsam der Betrieb der Rössler-Linie zu einem mittelständischen Unternehmen, das von Beginn an bis heute seinen Sitz in Assmannshausen hat.  Auf dem Foto sehen sie auch meine Tochter, die bereits die 8. Generation verkörpert.
Inline-Bild 3  “Ein Nache” aus der Anfangszeit der Rössler-Linie
Inline-Bild 4 Die MS Rheingold
Inline-Bild 5Die St. Georg

Es ist ja nach wie vor sehr ungewöhnlich, dass eine Frau das Kapitänspatent macht. Was hat Sie dazu bewogen?

Bianka Rössler:
Ja,mag sein, dass es ungewöhnlich ist, dass eine Frau eine Reederei führt und dazu noch das Rhein-Patent hat. Aber ich bin mit Leib und Seele Reederin, liebe meinen Beruf und das Obere Mittelrheintal. Wenn ich mit dem Schiff durch unsere wundervolle Landschaft fahre, bietet sich zu jeder Jahreszeit ein anderer toller Ausblick, man sieht immer wieder Neues und erkennt jedes Mal, dass unsere Region wunderschön ist. Es ist für mich ein ganz besonderes Glück, den Rhein befahren zu dürfen. Aber nun zu Ihrer Frage.
Mein Vater fragte mich, als ich ca. 16 Jahre alt war, ob ich nicht zu gegebener Zeit seine Nachfolge antreten wolle. Ohne groß zu überlegen sagte ich “Ja”, war ich doch ohnehin gewohnt mitzuarbeiten. Nach dem Schulabschluß machte ich aber zunächst eine Lehre bei MAN in Geisenheim als Maschinenschlosserin, was mir heute noch ab und zu zu Gute kommt. Nach Beendigung der Ausbildung blieb ich zunächst bei MAN. Als ich mich eines Tages an meinem Arbeitsplatz sehr über die Firma geärgert hatte, ging ich in die Personalabteilung und handelte einen Aufhebungsvertrag aus, den ich am selben Tag noch unterschrieb. Zuhause sagte ich dann meinem Vater, dass ich gekündigt habe und nun bei  “Rössler-Linie” anheueren wolle. Er freute sich sehr über meinen Entschluß. Ich wollte allerdings zunächst mein Rhein-Patent machen, was zusammen mit dem Donau-Patent das schwierigste Binnenschifffahrtspatent in Deutschland ist, um ein vollwertiges Mitglied der Crew zu sein. Nun bin ich seit 18 Jahren “Kapitänin” und fahre auf allen vier Schiffen unserer Reederei.
Welche Schiffe umfasst denn Ihre Flotte?
Bianka Rössler:
Unsere Flotte umfasst 4 Schiffe.
Die “Rhein Star” bietet 600 Passagieren Platz und wurde 2003 in Dienst gestellt. Sie ist 44,40m lang und 9,20m breit.
Inline-Bild 6Die “Rhein Star”
Die  Rhein Dream” wurde 2011 von Landrat Albers getauft, ist 40,20m lang, 8,60m breit und bietet 250 Passagieren Platz
Inline-Bild 7Die “Rhein Dream”
Die “Rheingau” bietet 250 Passagieren unter Deck und 150 Personen auf Deck platz. Sie ist 36m lang und 7,20m breit.
Inline-Bild 8Die “Rheingau”
Die “St. Nikolaus I” bietet 50 Passagieren unter Deck und 50 Pasagieren auf Deck Platz, ist 24,50m lang und 4,20 breit. Gebaut wurde sie 1952, gekauft hat sie mein Vater zu meiner Geburt. Sie ist das einzige Schiff der Rössler-Linie, das wir nicht selber konzipiert und in Auftrag haben bauen lassen.
Inline-Bild 9Die “St. Nikolaus I”

Ich kann mich noch an die Zeiten erinnern, als Lotsen zwischen Rüdesheim und Kaub benötigt wurden, um das Binger Loch sicher zu durchqueren. Es hat sich ja viel verändert in den letzten Jahrzehnten. Was sind Ihrer Meinung nach die einschneidensten Veränderungen?

Bianka Rössler:
Es hat sich in den letzten Jahren sehr viel verändert. Die Sicherheitsausstattung wurde deutlich verbessert, Gleiches gilt für die Technik. Aber auch der Anspruch der Gäste an Bord ist deutlich gestiegen, was sich auch in der Ausstattung unserer Schiffe widerspiegelt.
Das Rhein-Patent, das ich ja vorhin schon mal am Rande erwähnt habe, ist mit dem Donau-Patent das schwerste in Deutschland zu erwerbende Binnenschifffahrt-Patent. Man muss alle Steine, beispielsweise im Binger Loch kennen, auch wenn sie immer überflutet sind. Auf den Karten sind sie eingezeichnet und benannt. Der “Rödelstein” beispielsweise ist auch bei Niedrigwasser überflutet, aber man muss in der Prüfung wissen, dass er in Höhe des Bahnhofs von Assmannshausen liegt. Für jeden Streckenabschnitt des Rheins muss man ein gesondertes Patent erwerben. Diese Patente sind unterschiedlich schwierig, das Schwierigste ist aber die Strecke zwischen Rüdesheim und St. Goar. Nicht alle Binnenschiffer besitzen dieses Patent und müssen sich deshalb, bevor sie diesen Streckenabschnitt befahren, einen Lotsen bzw. Aushilfskapitän an Bord holen, der sie durch die sehr anspruchsvolle Strecke führt. Mit dem Rhein-Patent darf man aber auch auf allen Nebenflüssen des Rheins fahren, beispielsweise der Mosel oder der Lahn, für die man aber auch gesonderte Patente erwerben kann. Außerdem benötigt man als Binnenschiffer einen Funkschein, einen Radarschein, muß “Sachverständiger für Fahrgastschifffahrt” sein, eine Art Havarie Sachkundiger. Sie sehen also, das Leben als Binnenschiffer macht viele Prüfungen notwendig.

Die “Rössler Linie” bietet zahlreiche Eventfahrten an, so zum Beispiel eine Fahrt zwischen Assmannshausen und Eltville, bei der ein Mitglied des NABU etwas über die Flora und Fauna auf dem Rhein erzählt. Wie kamen Sie denn auf die Idee, eine solche Fahrt anzubieten? 
Bianka Rössler:
Mein Papa hatte die Idee, diese Fahrten anzubieten. Er fragte Herrn Schwanzer vom NABU an, ob der Naturschutzbund sein Wissen für die Passagiere zur Verfügung stellen würde und so war die “Natur-Exkursion” gebohren, die wir 5 Mal im Jahr anbieten und die sich sehr großer Beliebtheit erfreut. Die nächste Tour ist am 31.1. ab Assmannshausen über Bingen und Rüdesheim Richtung Eltville, aber sie kennen ja die Tour und werden wohl auch wieder dabei sein.
Die Neben- und Zwischensaison zeichnen sich durch Rheinfahrten aus, auf denen besondere Programme vorgeführt werden. “Comedy” gehört genauso dazu wie Weihnachtsschifffahrten oder das “Neujahrskonzert”. Können Sie uns schon etwas über die Pläne für 2016 erzählen?
Bianka Rössler:
Wir haben wieder eine ganze Reihe von Fahrten im Angebot, hier ein kleiner Überblick:
Ein ganz besonderes Highlight in diesem Jahr wird eine neue Route sein, die wir ab dem 19.3. befahren werden:
Die “Ritter-Tour” beginnt in Rüdesheim, von wo aus man mit der Bahn nach Assmannshausen fährt, von dort weiter mit dem Schiff Richtung Trechtingshausen, wo der Passagier an unserer neuen Brücke aussteigt und zur Burg Reichenstein wandert (es ist eher ein Spaziergang), die ja im letzten Jahr sehr aufwändig restauriert wurde. Auf diese Tour freue ich mich besonders, denn sie wird diesen Streckenabschnitt den Besuchern in besonderer Weise erschließen.
Wir sind auch an der Planung einer Oldie Night am 1.7., dem Vorabend zu “Feuerzauber”. Wir werden ins Obere Mittelrheintal fahren und mit Musik der 60iger und 70iger Jahre die besondere Atmosphäre dieses Streckenabschnitts den Passagieren bieten.
Natürlich führen wir auch weiterhin die beliebten Fahrten durch, die wir auch 2015 angeboten haben, hier ein kleiner Auszug, von den Events, die geplant sind, mehr Informationen, natürlich auf unserer Homepage:

13.März 2016: Swing auf dem Rhein

18.Juni 2016: Loreleyrundfahrt mit dem Shanty Chor Dümmersee

30.Juli 2016: Mainzer Sommerlichter

13.August 2017: Rhein in Flammen in Koblenz

14.August 2016: Loreleyrundfahrt mit dem Chor „Marika Singers“ aus Tschechien

05.November 2016: Freddy Albers- von der Reeperbahn bis zum Broadway

26.November 2016: St.Andrew’s Ball

14.Januar 2017: Naujahrskonzert

22.Janaur 2017: ComedySchiff Gerd Ahoi! Mit Gerd Brömser

…und dann zwischendurch noch die Nabu-Exkursionen & die Schwimmenden Weinproben.

Als Kapitän oder Kapitänin erlebt man bestimmt viele nicht alltägliche Dinge während der Fahrten. Erzählen Sie uns bitte ein paar Anekdoten, die besonders außergewöhnlich sind.

Bianka Rössler:

Meine schönste Anekdote stammt aus der Anfangszeit meiner Arbeit als “Kapitänin”. Ich war damals 21 Jahre alt oder auch jung und stand am Ruder, als wir ablegten. Plötzlich kam ein aufgeregter älterer Herr auf der Brücke und fragte mich, ob ich denn das Boot steuern würde. Nachdem ich die Frage bejaht hatte, wollte er unbedingt von Bord, denn er traute mir nicht zu, ihn sicher auf dem Rhein zu fahren. Es war allerdings zu spät, er konnte nicht mehr aussteigen, denn wir hatten schon abgelegt. Als wir am Ende der Rundfahrt wieder angelegt hatten und die Fahrt ohne “Besondere Vorkommnisse” verlaufen war, kam der Herr wieder zu mir und sagte respektvoll “Schee haste des gemacht, Mädsche, hätt ich dir nitt zugetraut” und ging lächelnd und sichtlich erleichtert von Bord. An diese Geschichte denke ich gerne zurück.

Vielen Dank für das interessante Gespräch. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Spaß und Erfolg und Allzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.
Mit der App “Rheintour” erfahrt ihr Vieles über die Sehenswürdigkeiten des Oberen Mittelrheintals. Viel Spaß!
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3 Kommentare zu “Die Rössler-Linie-eine Reederei mit über 200jähriger Tradition

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